Städtetipps von Reisebloggern für einen Kurztrip in Europa – Teil 3

Während es in Teil 1 und Teil 2 der Reihe in den Süden Europas ging, entführt euch Jutta von 6 Grad Ost heute in die am nördlichsten gelegene Hauptstadt Europas – nach Reykjavík. Was die Stadt so liebenswert macht? Lest selbst…

// Reykjavík – Klein, bunt, chaotisch und alles andere als mondän

Reykjavík. Hauptstadt, Wimmelbild und der Ort in Island, an dem sich die ersten Siedler dauerhaft niederließen. Vermutlich. Ein Hot (S)Pot nur knapp südlich des Polarkreises. Rauchbucht heißt der Name wörtlich übersetzt und wer sich auf Island einlässt, versteht bald, was damit gemeint ist. Man muss aber schon genau hinsehen, um zwischen Hotdog-Bude, die seit Bill Clintons Besuch anno Ich-weiß-nicht-wann zum Place-to-be mutiert ist und der alles überragenden Hallgrímskirkja, zwischen monströsen Super Jeeps und wanderbeschuhten Reisenden die eigentliche Schönheit dieser Stadt zu erkennen.

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Die bunten Häuser in 101 oder Downtown Reykjavík erinnern an die Holzhäuser Schwedens und Norwegens. Auf Distanz wirken sie charmant. Wer näher kommt, stellt fest, dass sie aus schnödem, farbig gestrichenem Wellblech bestehen. Viele Häuser haben ihre besten Zeiten schon gesehen. Das Klima ist rau und setzt der Stadt mitsamt Bewohnern zu. Vielleicht pulsiert sie deswegen, ist ständig in Bewegung, spürbar, aber nicht hektisch. Darf man Einar, Gissur und Hans-Olav Glauben schenken, geht jeder Isländer gleich mehreren Beschäftigungen nach. Zumindest in der Hauptstadt. Seit der Finanzkrise in 2008 vielleicht eine Notwendigkeit. Aber diese Rastlosigkeit scheint mir naturgegeben.

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In Reykjavík ist man ein wenig spröde. Die Bedeutung von Service haben die Isländer, die zu jedem fremden ein passendes Wort in ihrer eigenen Sprache kreieren, auch nach Jahren anschwellender Touristenströme noch nicht verinnerlicht. Schließlich kommt der Besucher in ihr Land. Da möge er sich den Gepflogenheiten anpassen. Dabei sind die Menschen hier durchaus feinsinnig, lieben Literatur und Musik. Gedichte, die vom Wogen des Meeres erzählen, sind auf den Gehsteig gepinselt. Die Farben des Ozeans, der Berge und des Himmels spiegeln sich in der Fassade des grandiosen Opernhauses Harpa, die Harfe. Ein Gesamtkunstwerk von Ólafur Elíasson. Hier treffen sich Reykjavík und die Welt. Zum Beispiel um bei den alljährlichen Iceland Airwaves großartige isländische Musik von Samaris oder Mugison zu feiern. In der Hauptstadt ist man stolz auf die Erfolge seiner Söhne und Töchter.

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Dresscodes, selbst in der Harpa, gibt es in Reykjavík übrigens kaum. Man trägt, was gefällt und das ziemlich selbstbewusst. Wer sich unter das Partyvolk mischen möchte, tut trotzdem gut daran, seine Boots gegen High Heels und den Daunenparka gegen etwas Lässigeres zu tauschen, um die Rúntur nicht erkennbar als Tourist zu starten. Die Rúntur ist so etwas wie eine Kneipentour. Immer Freitags und Samstags. Angesagte Bars sind an den Schlangen vor der Eingangstür zu erkennen, wobei es draußen mindestens genauso unterhaltsam ist wie drinnen. Alkohol – obschon teuer – wird an den Wochenenden exzessiv konsumiert. Vielleicht, weil er so lange verboten war? Erst seit dem 1. März 1989 ist Bier in Island legal. Bier ist nicht mein Ding, aber Freyja, benannt nach einer nordischen Göttin und mit leichtem Hefe-Geschmack, gefällt mir trotzdem.

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Aber was ist nun eigentlich so schön, so einzigartig an Reykjavík? Die Stadt hat eine Größe ganz nach meinem Geschmack, alles ist fußläufig. Sie lässt sich nicht festlegen. Hier gibt es atemberaubende Architektur wie die der Harpa, der eigenwilligen, futuristisch anmutenden Hallgrímskirkja oder des Einar Jónsson Museums in gelungener Koexistenz mit den kunterbunten Wellblech-Häusern. Kunst ist allgegenwärtig: Ob in Museen oder als Mural auf Häuserfassaden wie die grandiosen Werke von Guido van Helten, ob als Gedicht zu Füßen der Spaziergänger oder als Skulptur. Sólfar an der Uferpromenade ist sicher die eindrucksvollste. Staatsmann, Bürger oder Besucher: Sie alle kehren in den gleichen Cafés ein. Von denen – ich meine die Cafés – kommen die meisten ohne Make-up aus. Alles und jeder ist hier ohne Allüren. Und genau das macht Reykjavík so liebenswert.

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Übrigens ist es ein Ammenmärchen, dass in der Hauptstadt überall fermentierter Hai, Hákarl, auf den Teller kommt. Fischsuppe hingegen ist ziemlich populär. Eine besonders gute wird im Saegreifinn am Hafen serviert.

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Auf ihrem Blog 6 Grad Ost schreibt Jutta mit viel Liebe zum Detail über ihre großen und kleinen Reisen rund um die Welt. Darüber hinaus findet ihr weitere wunderbare Impressionen von Jutta unterwegs auch auf Instagram, Facebook und Twitter.

Ganz lieben Dank fürs Dabeisein, Jutta :)

 

Gehört Reykjavík auch schon zu euren Reisezielen? Oder wart ihr selbst schon einmal dort?

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5 Comments

  • Cori

    Hallo Mandy und Jutta!

    Ich finde den Artikel sehr zutreffend! Mir hat besonders die Tatsache, dass hier wirklich alle, egal welcher Rang oder Beruf sich (beinahe zwangsläufig) begegnen. Über das Service der Isländer kann ich mich allerdings nicht beklagen ;)
    Reykjavík – jederzeit gerne wieder, zumindest als Zwischenstopp für die gewaltige Naturschönheit Islands!

    Liebe Grüße

    Cori

    • Mandy

      Vielen Dank für deinen Kommentar liebe Cori. Ich muss zugeben, dass ich neugierig geworden bin auf Reykjavík – die Stadt war bisher irgendwie nicht „greifbar“ für mich, wenn du weißt was ich meine? Durch Juttas Artikel sowie euren Bericht über die Free Walking Tour, finde ich, bekommt man aber einen guten ersten Eindruck davon, wie die Stadt & das Leben dort so ist. Ich freu mich schon jetzt darauf, die Stadt irgendwann einmal kennenzulernen bzw. die spektakuläre Landschaft Islands zu erkunden! Und Jutta ist ja gerade wieder dort unterwegs ;-)

      Liebe Grüße
      Mandy

  • Cori

    In Reykjavík fühlt man sich gar nicht wie in einer Stadt, das mag ich auch irgendwie. Freut mich, dass dir unser Artikel die Stadt nähergebracht hat:) Grüß mir Reykjavík auf jeden Fall, wenn du mal dort bist!

    lg Cori

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