4 In ACROSS THE USA/ CHARLESTON/ SOUTH CAROLINA

Charmantes Charleston in South Carolina

Nach unserer Bootstour in den Sümpfen kommen wir endlich in Charleston an. Mit diesem Besuch geht ein weiterer lang gehegter Traum von mir in Erfüllung, denn seit ich zum ersten Mal Fackeln im Sturm gesehen habe, träumte ich davon Charleston einmal mit eigenen Augen zu sehen. Auch in diesem Jahr übrigens wieder zur schönsten Stadt in Amerika gekürt, soll Charleston wie keine andere die Eleganz und den Charme des alten Südens repräsentieren. Ob die historische Hafenstadt in South Carolina hält, was sie verspricht? Lest und schaut selbst…

Als wir in Charleston hinein fahren, sehen wir zunächst eher nichts von dem, was man so über die Stadt sagt – stattdessen fahren wir an Vierteln vorbei, die heruntergekommen aussehen und in denen das Straßenbild vor allem schwarz geprägt und die Armut unübersehbar ist.  Zusätzlich kommt mir noch in den Sinn, dass Charleston auch vor Jahren unter den Top 10 der gefährlichsten Städte der USA dabei war…Klingt ganz schön nach Filmklischee, aber je mehr ich von Amerika sehe, desto mehr habe ich den Eindruck, dass Filme ziemlich genau die Realität widerspiegeln – zumindest was die Szenerie und die Armut der Menschen angeht. Abgefuckte Bretterbuden, Wohnwagenparks, verwaiste Schrottplätze, leerstehende Tankstellen und kleine Kirchen mitten im Nirgendwo…all das habe ich unterwegs gesehen und während unseres Roadtrips hab ich mich oft gefühlt, als ob ich von einer „Filmkulisse“ in die nächste fahre.

Aber ja, wieso sollte es in Charleston auch anders sein als in anderen Ecken der USA? Es wäre naiv zu glauben, dass nicht jede Stadt in Amerika mit den gleichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat. Und selbst nach 50 Jahren Gleichberechtigung, gehört die schwarze Bevölkerung leider immer noch zu den Ärmsten des Landes, was vor allem an der hohen Arbeitslosigkeit liegt – und von der besonders der Süden der USA betroffen und hier deutlich spürbar ist.

Ich denke noch weiter darüber nach, als wir unsere Unterkunft für diese Nacht erreichen und meine Gedanken über diese Problematik sind erstmal wie weggeblasen.

 Barksdale House Inn

Denn, wir übernachten in diesem tollen historischen Bed & Breakfast, dass aus dem Jahr 1778 stammt – etwas was ich ebenfalls unbedingt einmal tun wollte, wenn ich in den Südstaaten bin. Herzlich werden wir im Haupthaus empfangen und zu unserem Zimmer im Carriage House, dass dahinter liegt geführt und das nicht minder schön ist. Mein Freund und ich sind beide begeistert von unserer Bleibe für eine Nacht und ich freue mich schon jetzt darauf am nächsten Morgen auf der Veranda des Haupthauses zu frühstücken…hach, genau so habe ich mir das vorgestellt.

Tag 1

Mittlerweile haben wir es schon späten Nachmittag, so dass wir, nach einer kurzen Erfrischung, mit der Erkundung der historischen Altstadt starten. Los geht´s direkt an der King Street, eine der Hauptstraßen der Altstadt, wo sich viele Geschäfte befinden und man mit genügend Kleingeld shoppen kann bis zum Umfallen.

King Street Charleston

Gateway Walk

Direkt an der King Street gelegen, entdecken wir den Eingang zum Gateway Walk – ein kleiner Pfad, der zwischen Häusern entlang geht und auf einen alten, mit Farnen und Blumen überwucherten Friedhof führt. Wir schlendern dort mal eben durch, um unsere Tour von der anderen Seite fortzusetzen.

Gateway Walk in Charleston

Victorian House Entrance Charleston

Es geht weiter entlang an Herrenhäusern im typischen Südstaatenstil, eines schöner als das andere. Und je mehr wir in Richtung Süden laufen, umso eleganter und prachtvoller werden die Häuser. Zudem sind wir wie in Savannah so gut wie allein auf den Straßen unterwegs und können uns in Ruhe umschauen. Wir begegnen nur einem weiteren Touristen-Pärchen und einem älteren Herrn, der gerade an seinem Haus das Grundstück bewässert und uns in bester Südstaatenmanier freundlich grüßt. Langsam komme ich richtig ins Schwärmen…Savannah war schon toll und Charleston gefällt mir auch immer mehr.

Hauseingang Charleston

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Oh, wie ich diese kleinen, liebevollen Details an den Hauseingängen und Veranden, die ums Haus führen, liebe – von schmiedeisernen Zäunen, weißen Säulen, kleinen Laternen bis hin zu den Blumenkästen, Haustüren mit eisernen Türklopfern statt einer Klingel und den berühmten Schaukelstühlen, die in vielen Filmen zu sehen sind. Ich kann mich gar nicht daran satt sehen! Und langsam weiß ich wirklich nicht, welches Haus mir eigentlich am besten gefällt?

Charleston

Charleston houses

„Frankly, my dear, I don´t give a damn…I’m going back to Charleston, where there is still a little grace and civility left in the world.“ – Rhett Butler (Vom Winde verweht)

Eigentlich fehlen jetzt wirklich nur noch Rhett Butler, der Arm in Arm mit seiner Scarlett O`Hara um die Ecke biegt, um das Südstaatenflair perfekt zu machen. Ja doch…der Glanz der alten Zeiten – in Charleston kann man ihn definitiv noch ein wenig spüren…

White Point Gardens

Ich träume noch ein wenig vor mich hin, als wir schließlich am White Point Gardens ankommen, ein kleiner Park direkt am Wasser gelegen, wo der Ashley und der Cooper River in den Atlantik fließen. Hier begann ein weiteres dunkles Kapitel in der Amerikanischen Geschichte – der Amerikanische Bürgerkrieg. Von den White Point Gardens aus fielen nämlich am 12. April 1861 die ersten Kanonenschüsse von den Konföderierten (Südstaaten) auf das Fort Sumter, eine vorgelagerte Insel auf dem Ashley River, auf denen die Unionstruppen des Nordens stationiert waren.

White Point Gardens

White Point Gardens

Da es uns hier allerdings viel zu windig ist, ziehen wir weiter und zwar zu einem Haus, dass dem einen oder anderen bekannt vorkommen dürfte…Kleiner Tipp: Im Film steht es eigentlich in Pennsylvania…

The Calhoun Mansion Charleston South Carolina - Drehort für Fackeln im Sturm und Wie ein einziger Tag

The Calhoun Mansion

…na, kommt ihr drauf? Es ist das Haus von der Hazard-Familie aus Fackeln im Sturm. Interessanterweise wurden übrigens die meisten Innenszenen der Serie hier gedreht genauso wie Filmszenen für Wie ein einziger Tag. Es heißt The Calhoun Mansion und kann täglich besichtigt werden. Wir waren heute nur leider zu spät, weshalb wir das Haus einfach von außen bewundern und weiter die Straßen von Charleston entlang flanieren.

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Gelbes Haus mit Palmetto-Palme in der historischen Altstadt Charleston

Auf unserem Rundgang bemerken wir schließlich auch, dass die Stadt eine ganze schöne Anzahl an Kirchen vorzuweisen hat. Wie sich herausstellt, sind es an die 50! Kirchen verschiedenster Glaubensrichtungen, weshalb Charleston zudem auch The Holy City genannt wird. Okay, immer noch sehr viel weniger als Rom zu bieten hat, aber für eine amerikanische Stadt ist das doch schon eine relativ hohe Anzahl, wie ich finde.

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Unser Spaziergang endet schließlich am Abend bei einem romantischen italienischen Abendessen im Bocci`s, dass uns ein Einheimischer auf der Suche nach einem guten Restaurant empfohlen hat. Zwar hatte ich ein paar der Restaurants gesehen, die ich bei Tripadvisor vorher rausgesucht hatte, aber irgendwie sagten uns die Locations vor Ort nicht zu und eigentlich wollten wir schön gemütlich draußen sitzen. Nun ja, dass ist uns auch in dem Italiener nicht vergönnt, da sie keinen Außenbereich haben, aber der Service und das Essen sind super und den wartenden Gästen draußen nach zu urteilen, scheint es wirklich sehr beliebt sein. Für uns ist es jedenfalls das Richtige, um den schönen Tag ausklingen zu lassen.

Tag 2

Am nächsten Morgen regnet es und zuerst bin ich etwas verstimmt, weil nun ja…wir hatten nur diesen einen weiteren Vormittag in der Stadt und ausgerechnet da spielt das Wetter nicht mit. Aber so ist es halt manchmal, weshalb wir erstmal gemütlich auf der Veranda frühstücken und nach meinem morgendlichen Kaffee, sieht die Welt schon wieder etwas freundlicher aus. Danach starten wir noch einmal zu ein paar Orten in der Stadt, die wir gestern nicht mehr geschafft haben und nehmen dafür den kostenlosen Trolley(Streetcar), mit dem man die wichtigsten Spots der Stadt erreicht.

Waterfront Park

Wir steigen am Waterfront Park aus, von wo wir einen guten Blick auf das schon erwähnte Fort Sumter sowie auf den Flugzeugträger USS Yorktown am Patriots Point haben. Beides kann man besichtigen, allerdings macht das für uns heute nicht mehr soviel Sinn, da wir noch eine Plantage besuchen wollen. Aber vielleicht beim nächsten Mal…

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Lange bleiben wir nicht, da es immer noch etwas nieselt und so laufen wir an der Promenade entlang zum Ananasbrunnen. Was mir hier, ehrlich gesagt, doch etwas fehlt, sind so schöne Eichenalleen wie es sie in Savannah gibt (oder vielleicht haben wir die einfach nciht gesehen?), was definitiv mehr für Savannah spricht, aber dafür hat Charleston eine sehr viel schönere Promenade direkt am Wasser.

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Rainbow Row

Last but not least, schauen wir uns noch eine der schönsten Straßen in Charleston, die Rainbow Row an, die aus 13 bunten (ich würde eher pastellfarben sagen) historischen Häusern besteht und die angeblich die meistfotografierteste Touristenattraktion Charlestons sein soll. Uns hat sie jetzt nicht sooo umgehauen, aber vielleicht lag es auch am Wetter, den Bäumen und den Autos, welche die Sicht doch etwas versperrt haben. Nichtsdestotrotz lang gehen kann man schon mal, wenn man in Charleston ist 😉

Danach spazieren wir noch in Richtung Old City Market und schauen uns ein wenig in den Läden um, auf der Suche nach dem einen oder anderen Mitbringsel und ein paar Postkarten. Nachdem wir alles gefunden haben, was wir wollen, heißt es dann auch schon langsam Abschied von Charleston nehmen, denn nun wollen wir noch eine der berühmtesten Plantagen in Amerika besuchen und danach geht unsere Fahrt wieder gen Süden.

Charleston

Zusammenfassend lässt sich zu Charleston folgendes sagen: Die Stadt ist ebenso wie Savannah definitiv einen, Besuch wert. Es lässt sich aber auch schwer sagen, welche Stadt schöner ist – Charleston ist tatsächlich irgendwie etwas eleganter als Savannah, dafür fand ich Savannah allerdings noch einen Tick romantischer. Dort hatten wir aber auch mehr Zeit und ich hab mich einfach sofort in diese Stadt mit seinen Eichenalleen verliebt!

Für beide Städte spricht aber auf jeden Fall, dass man auch rundherum unheimlich viel entdecken kann. Von Charleston aus ist man innerhalb von 20-30 Minuten auf diversen Plantagen, in den Sümpfen oder am Meer. Ich würde daher beide Städte besuchen, da sie auch nur knapp 2 Stunden voneinander entfernt liegen.

Weitere Tipps & Infos:

Reisedauer: An 1 Tag lässt sich schon relativ viel von Charleston erkunden, aber ich würde beim nächsten Mal noch mindestens 2 Tage mehr dran hängen, weil man auch rund um die Stadt einiges unternehmen kann.

Übernachten: Charleston ist in jeder Jahreszeit sehr beliebt, vor allem an den Wochenenden für ein romantisches Getaway und für Verlobungen & Hochzeiten – deswegen würde ich hier immer vorbuchen und wenn möglich von Montag-Donnerstag anreisen, da die Preise ab Freitag gleich mal doppelt so hoch sind.

Wie oben schon gesehen, haben wir im Barksdale House Inn übernachtet. Preis für 1 Nacht im DZ: 139 Euro. Gebucht über Booking.com (Sonderangebot ca. 3 Wochen vorher). Die Zimmer sind mit Kaffeezubehör und TV ausgestattet, außerdem gibt es kostenlose Parkplätze und ein kontinentales Frühstück. Das einzige, was uns hier jetzt nicht sooo gefallen hat, war die Klimaanlage, die mit dem Zimmer gegenüber verbunden ist. D.h. wir konnten die Klimaanlage wie sonst über Nacht nicht ausschalten, so dass es nachts doch ganz schön kalt und laut wurde. Das war aber auch das einzige, was wir zu bemängeln hatten. Die Lage mitten im historischen Zentrum ist perfekt, um die Stadt zu erkunden. Für uns war es eine der besten Unterkunfte auf der ganzen Tour, weshalb ich das Bed&Breakfast jederzeit weiter empfehlen würde!

Getting around: Charleston lässt sich prima zu Fuss oder mit dem Rad erkunden. Alternativ gibt es den oben schon erwähnten kostenlosen (DASH-)Trolley, mit dem man gemütlich durch die Stadt fahren und an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten aussteigen kann. Für die Plantagen und die Strände rund um Charleston ist man allerdings leider schon vorrangig auf ein Auto angewiesen. Einzelne Plantagen kann man dennoch via Bustour wie zum Beispiel mit Grayline erreichen.

Essen & Trinken: In Charleston gibt es so viele tolle Cafés und Restauarants, die es wert sind, ausprobiert zu werden, wofür wir bei einem knappen Tag leider nicht genügend Zeit hatten. Das italienische Restaurant Boccis fanden wir aber auf jeden Fall klasse.

Für mehr wunderschöne Fotos aus Charleston, möchte ich euch zudem noch die Instagram-Accounts von Mark Swick, Annie Reeves und Charleston South Carolina, die in der Stadt leben, ans Herz legen – hier gerate ich ständig wieder von Neuem ins Schwärmen ♥

// For more beautiful photos of Charleston, please check out the Instagram-profiles of photographer Mark Swick, the official account of the city Charleston SC & blogger Annie Reeves, who are living in the area – love their gorgeous photos of the city and around!

And it was all Yellow

Ein von Mark Swick (@mnswick) gepostetes Foto am

It’s like living in a dream. #CharlestonSC Ein von Official Account Charleston SC (@charlestonsc) gepostetes Foto am

 

Charleston oder Savannah – welche Stadt spricht euch denn auf den ersten Blick mehr an? Oder wart ihr sogar selbst schon einmal dort? 😉 Dann verratet mir doch in den Kommentaren, welche Stadt euch besser gefallen hat bzw. oder welche Stadt ihr lieber besuchen würdet.

4 Comments

  • Reply
    Besuch auf der Boone Hall Plantation - Travelroads
    22/01/2015 at 16:31

    […] vielen auch besser bekannt als Mont Royal aus Fackeln im Sturm. Nachdem wir noch ein wenig durch Charleston geschlendert sind, geht´s mit dem Auto in 20 Minuten zu der ehemaligen Baumwollplantage. Am […]

  • Reply
    Verena
    07/10/2015 at 22:26

    Das kann man nicht sagen, da sie irgrndwie ganz unterschiedlich sind. Ich liebe beide Städte abgöttisch!

    • Reply
      Mandy
      15/10/2015 at 12:10

      Hi Verena,

      da geb ich dir vollkommen recht! Möchte auch unbedingt noch einmal alle beide besuchen und vor allem für Charleston etwas mehr Zeit einplanen 🙂

  • Reply
    Synke
    04/12/2015 at 17:56

    Hi Mandy,

    mein Besuch von Charleston und Savannah liegt schon ziemlich lange zurück, aber bei mir hat Savannah einen stärken Eindruck hinterlassen. Warum das so ist kann ich garnicht wirklich sagen, weil Charleston auch sehr schön ist…wahrscheinlich war es die Atmosphäre.

    Ich habe mit 15 Jahren das Buch vom Winde verweht in nur 3 Tagen und Nächsten gelesen und da war natürlich klar, dass ich irgendwann mal an die Schauorte besuchen musste 😉

    Danke für deine wunderschöne Eindrücke!

    LG Synke

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